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Blick in die Welt

 

 

 

Themenschwerpunkt dieser Ausgabe ist der dubiose Versuch in erster Linie des Duos Paul Mackay – Sergej Prokofieff, die am 29. Dezember 1925 untergegangene Anthroposophische Gesellschaft zu „reanimieren“. Der am 8. Februar 1925 aus dem Verein des Goetheanum der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft hervorgegangene Verein Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wurde durch diesen Versuch in seiner pyramidalen Struktur weiter zementiert und ist als Träger der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft längst unbrauchbar geworden. Dieser Niedergangsprozeß konnte nicht ohne Wirkung auf die allgemeine Kulturentwicklung unserer Erde bleiben. Die Folgen zeigen sich in erschreckender Weise auf den verschiedensten kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gebieten, da die notwendige Befruchtung durch die anthroposophische Bewegung trotz des so hoffnungsvollen Urimpulses, ausgelöst zu Beginn des alten Jahrhunderts durch Rudolf Steiner.

 

Leider ist es in Ablauf dieses knappen Jahrhunderts seit dem Tode Rudolf Steiners nicht gelungen, in der weltweit verstreuten Mitgliederschar ein nachhaltiges Bewußtsein von dem großen Unglück im Jahre 1925 zu erzeugen. Von der Gräfin Keyserlingk ist uns ein Bericht übermittelt worden, in dem ihr Rudolf Steiner posthum eine letzte Botschaft mitteilte. Adalbert Graf von Keyserlingk hat diesen Bericht 1974 in der  Schrift „Koberwitz 1924 – Geburtsstunde einer neuen Landwirtschaft“, im Verlag Hilfswerk Elisabeth veröffentlicht. Auf Seite 177 berichtet die Gräfin:

 

In der Silvesternacht 1922/23 brennt dann das Goetheanum ab, so daß nun die Menschen auf dem Wege des äußeren Anschauens nicht mehr zum Erleben des mitteleuropäischen Geistes kommen können.

Äußerlich bestand keine Aussicht, daß eine Rettung möglich sei. Da ent­schloß sich Rudolf Steiner zu dem größten persönlichen Opfer, das bis dahin von einem Eingeweihten gebracht worden war. Er entschloß sich zur Weihnachtstagung, innerhalb derer er mit Schmer­zen den Vorsitz der Anthroposophischen Gesellschaft übernahm, um dann konkret über Karmafragen zu sprechen.

Er vermittelt nun die Dreigliederungsprozesse im Esoterischen als kos­misch-menschliches Geschehen und legt den dreigegliederten Grundstein in die Herzen der Menschheit in einer freilassenden Meditation.

Statt daß die Mitglieder diese geistigen Wahrheiten aber in Hingabe und Ehrfurcht aufnehmen, fangen sie wenige Tage nach seinem Tode an, dar­über zu streiten, wer welche Rechte habe und wer die richtige Methode übe und anderes mehr. Geistige Wesen aber und Tote fliehen den Streit wie wir das Feuer!

So zog sich auch die Wesenheit Anthroposophie und ihre Bewegung von der Anthroposophischen Gesellschaft zurück. Die Menschen aber nahmen die Wahrheitsworte nicht auf.

Johanna Gräfin Keyserlingk erlebte in den Todestagen Rudolf Steiners so Wesentliches, daß es hier angeführt werden soll. Damit soll auch richtig­gestellt werden, was schon ganz falsch von anderer Seite ohne Wissen des Herausgebers veröffentlicht wurde.

Rudolf Steiner konnte seine Schüler im Geistleib belehren, wie das auch in den Mysteriendramen dargestellt ist. Es hatten schon einige solcher Be­lehrungen im Geiste stattgefunden, so daß diese geschilderten keine auf­regende Überraschung bedeuteten, sondern in ruhiger Bewußtheit erlebt wer­den konnten.

„Es war am Morgen der Kremation Rudolf Steiners, zu der ich nicht mit­fuhr. Noch stand des hohen Lehrers Erdenleib nahe aufgebahrt im Raume der Schreinerei, da tauchte neben mir die Aura des geliebten Lehrers auf. Aus dieser kam die Weisung, daß ich schreiben solle. Ich nahm Papier und Bleistift ... und aus seiner Gegenwart kamen die nachfolgenden Worte. Oft konnte ich nicht schnell genug mitschreiben, dann wurde eingehalten und gewartet, bis ich nachgekommen war mit schreiben, so wie Rudolf Steiner das auch früher getan hatte, wenn er mir etwas diktierte.

 

,Meine Mission ist beendet.'

,Was ich der Reife der Menschen geben konnte, das habe ich ihnen ge­geben.'

,Ich gehe fort, denn ich fand keine Ohren, die hinter dem Wort das Gei­steswort vernehmen konnten.'

,Ich gehe fort, denn ich fand keine Augen, die hinter den Erdenbildern die Geistesbilder erschauen konnten.'

,Ich gehe fort, weil ich keine Menschen fand, die meinen Willen verwirk­lichen konnten.'

,Die Mysterien bleiben verhüllt, bis ich wiederkomme.'

,Ich werde wiederkommen und die Mysterien enthüllen, dann, wenn es mir gelungen sein wird, in Geisteswelten einen Altar, eine Kultstätte für die Menschenseelen zu begründen. Dann komme ich wieder. Dann werde ich fortfahren, die Mysterien zu enthüllen.'

,Die sind schuld an meinem Tode, die die Herzenskultur unterbunden haben.'

,Wären die Menschen durch ihre Herzen in die Tiefe gedrungen, sie hät­ten die Kraft gefunden, den Aufgaben der Zeit zu genügen.'"

 

Wenn man diese Worte der Gräfin Keyserlingk im Bewußtsein hat, dann ist es kaum erträglich, wahrzunehmen, was von der AAG-Zentrale, dem Goetheanum in Dornach den Mitgliedern geboten wird. So wurde kürzlich dem Hausblatt der AAG, der Wochenschrift „Das Goetheanum“ der Prospekt einer Tagung beigelegt, die im Mai 2010 am Goetheanum stattfinden soll. In diesem Faltblatt beschreibt Vorstandsmitglied Sergej Prokofieff Sinn und Zweck dieser Tagung folgendermaßen:

 

Liebe Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft,
liebe Freunde

 

Die Weihnachtstagung 1923/1924 war zweifellos nicht nur der Höhepunkt in der Geschichte der Anthroposophischen Gesell­schaft, sondern auch der ganzen anthropo­sophischen Bewegung. Im Leben Rudolf Stei­ners bildete dieses Ereignis die Kulmination seiner irdischen Tätigkeit und offenbarte sei­ne Mission als großer christlicher Eingeweih­ter der Gegenwart.

Im Zentrum der Weihnachtstagung als ih­rem esoterischen Kern stand die Grundstein­legung am Morgen des 25. Dezember 1923, zu der die Worte des Grundsteinspruchs von Rudolf Steiner zum ersten Mal gesprochen wurden. Von da an sollten alle Aktivitäten in der anthroposophischen Bewegung, bis in ihre sozialen Formen hinein, von dem neuen «esoterischen Zug» durchdrungen werden.

Drei Initiativen entwickelte Rudolf Steiner aus dem Impuls der Weihnachtstagung: Das Er­schaffen der Außengestalt des zweiten Goetheanum, die Karmavorträge und die Einrich­tung der Freien Hochschule für Geisteswis­senschaft als Michael-Schule auf der Erde.

Hinter diesen und vielen anderen Initiativen, die während der Weihnachtstagung und in der Zeit danach hervortraten, stand eine nie da gewesene Enthüllung der neuen christ­lichen Mysterien, welche den Keim für die weitere Entwicklung der Menschheit in sich tragen.

Diesen christologischen Grundlagen der Weihnachtstagung sowie den daraus hervor­gehenden praktischen Folgen nachzugehen, wird Aufgabe dieser Tagung sein, welche die Reihe der vier Tagungen abschließt.

 


Dieser kurze Text kann uns die gewaltige Hybris verdeutlichen, die den Dornacher Vorstand überkommen hat in der Ausübung dieser seiner Position als selbsternannter Sachwalter der Anthroposophischen Gesellschaft mit der in diese eingebetteten sog. Freien Hochschule für Geisteswissen­schaft, die sich durch und mit dem Tod Rudolf Steiners im Jahre 1925 in ihrer ursprünglichen Form ihre Pforten bereits wieder schließen mußte. Vorstandsmitglied Sergej Prokofieff beschreibt in dieser Einladung Sinn und Zweck der Tagung:

 

Ø      Die Weihnachtstagung 1923/1924 war zweifellos nicht nur der Höhepunkt in der Geschichte der Anthroposophischen Gesell­schaft, sondern auch der ganzen anthropo­sophischen Bewegung. Im Leben Rudolf Stei­ners bildete dieses Ereignis die Kulmination seiner irdischen Tätigkeit und offenbarte sei­ne Mission als großer christlicher Eingeweih­ter der Gegenwart.

War die Weihnachtstagung 1923 denn tatsächlich dieser Höhepunkt? – Wie wir in den vorigen Ausgaben dieser Internetpräsentation ausführlich dargestellt haben, sieht das aus heutiger Sicht ganz anders aus. Dem Bemühen Rudolf Steiners, diese neuen Mysterien zu begründen, wurde nämlich von innen heraus, also insbesondere von den führenden Mitgliedern, erhebliche innere Opposition entgegengesetzt, so daß sich Rudolf Steiner noch im gleichen Jahr nach Abschluß der Tagung – also 1924 – nicht mehr in der Lage sah, dieses Projekt weiterzuführen.

 

Ø      Im Zentrum der Weihnachtstagung als ih­rem esoterischen Kern stand die Grundstein­legung am Morgen des 25. Dezember 1923, zu der die Worte des Grundsteinspruchs von Rudolf Steiner zum ersten Mal gesprochen wurden. Von da an sollten alle Aktivitäten in der anthroposophischen Bewegung, bis in ihre sozialen Formen hinein, von dem neuen «esoterischen Zug» durchdrungen werden.

Bezeichnender Weise benutz Prokofieff hier den Konjunktiv. Es „sollten alle Aktivitäten …“ Doch hat diese Durchdringung tatsächlich gefunden?

 

Ø       Drei Initiativen entwickelte Rudolf Steiner aus dem Impuls der Weihnachtstagung: Das Er­schaffen der Außengestalt des zweiten Goetheanum, die Karmavorträge und die Einrich­tung der Freien Hochschule für Geisteswis­senschaft als Michael-Schule auf der Erde.

Nun, Rudolf Steiner entwarf in der Tat das zweite Goetheanum, doch schon dessen Ausführung, war er nicht mehr in der Lage zu leiten, da er bereits Ende September 1924 physisch zusammenbrach, und sein Krankenlager bis zu seinem Tod ein halbes Jahr später nicht mehr verlassen konnte.

Er enthüllte ferner in der Tat den Mitgliedern das Geheimnis des menschlichen Karma. Und er begründete auch die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, doch schloß diese mit seinem Tode bereits wieder ihre Pforten. (Siehe hierzu die vorstehend wiedergebene posthume Aufzeichnung der Gräfin Keyserlingk.)

Ø      Hinter diesen und vielen anderen Initiativen, die während der Weihnachtstagung und in der Zeit danach hervortraten, stand eine nie da gewesene Enthüllung der neuen christ­lichen Mysterien, welche den Keim für die weitere Entwicklung der Menschheit in sich tragen.

Es mag großartig klingen, von der „Enthüllung der neuen christlichen Mysterien“ zu vernehmen. Wenn man allerdings bedenkt, was denn an zukunftsorientierten Impulsen von dieser Gesellschaft in speziell der von ihr betriebenen Hochschule tatsächlich ausgegangen ist, richte ich die Fragen an Sie, Herr Prokofieff, welche konkreten Impulse Sie denn da im Auge haben?

Werfen wir einen Blick auf die Aufgaben einer anthroposophisch orientierten Freien Hochschule für Geisteswissenschaft zu, die ihr Leiter in der ersten sog. Klassenstunde der Hochschule am Donnerstag, dem 15. Februar 1924 folgendermaßen charakterisierte:

 

Meine lieben Freunde! Mit dieser Stunde möchte ich die Freie Hochschule als eine esoterische Institution wiederum zurückgeben der Aufgabe, der sie drohte in den letzten Jahren entrissen zu wer­den. Es wird heute in dieser einleitenden und begründenden Stunde nicht die Aufgabe sein, über dasjenige zu sprechen, was den eben geäußerten Satz näher erläutert; aber ich möchte durch das Aus­sprechen dieses Satzes eben auf die Bedeutung dieser Stunde doch hingewiesen haben, möchte namentlich darauf hingewiesen haben, daß der Ernst, der unserer ganzen Bewegung, die mit jedem Tage wirklich mehr gefährdet und unterminiert wird, daß der Ernst, der unserer ganzen Bewegung eigen sein muß, daß dieser Ernst ins­besondere in unserer Schule zum Ausdrucke kommen muß. Und es ist dies keine unnötige Bemerkung, weil ja keineswegs überall zu bemerken war, daß man diesem Ernste nunmehr wirklich Rech­nung tragen werde.

Eine Art vorbereitender Einleitung soll heute gegeben werden, meine lieben Freunde. Und da möchte ich vor allen Dingen be­tonen, daß innerhalb dieser Schule das Geistesleben in seiner wah­ren Bedeutung genommen werden soll, so daß Sie wirklich in aller Tiefe berücksichtigen sollen, daß dasjenige, was mit dieser Schule begründet ist, eine Institution darstellt, die aus dem Geiste heraus, aus dem unserer Zeit aus dem Geiste heraus sich offenbarenden Geistesleben gegeben werden kann. Es kann auf allen Gebieten dieses Geistesleben vertieft werden. Aber es muß ein Zentrum be­stehen, von dem aus diese Vertiefung geschieht, und dieses Zen­trum soll für diejenigen, die dieser Schule als Mitglieder angehören wollen, eben am Goetheanum in Dornach gesehen werden.

Daher möchte ich heute - mit denjenigen Mitgliedern der Schule, für die es uns bisher möglich war die Zertifikate auszustellen - diese Schule beginnen; beginnen zunächst so, daß Sie sich bewußt werden: es wird innerhalb dieser Schule jedes Wort, das gesprochen wird, so gesprochen, daß ihm zugrunde liegt die volle Verantwortlichkeit gegenüber dem in unserem Zeitalter sich offen­barenden Geiste, jenem Geiste, der sich durch die Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheit offenbart, aber in jedem Zeit­alter auf eine besondere Weise. Und dieser Geist, er will dasjenige dem Menschen geben, was der Mensch eben nur durch den Geist finden kann.

Wir müssen uns vom Anfange an klarsein, daß es nicht eine Feindlichkeit gegenüber all dem ist, was durch die Sinneswelt dem Menschen zukommt, wenn in einer Schule für Geisteswissenschaft auf die Offenbarungen des Geistes hingesehen wird. Wir müssen uns auch klar darüber sein, wie wir anerkennen - anerkennen in aller Tiefe -, anerkennen, daß die Welt der Sinne ihre großen, für das Leben so notwendigen Offenbarungen, notwendigen prak­tischen Winke dem Menschen gibt, müssen uns durch nichts ver­anlaßt fühlen, dasjenige, was aus der Sinneswelt dem Menschen zukommt, irgendwie geringzuachten.

Aber hier kommt es darauf an, die Geistesoffenbarung als solche in allem Ernste entgegenzu­nehmen. Da wird - das muß ich im vor­aus sagen - manches Vorurteil, mancher Eigensinn, mancher Ei­genwille, der heute noch tief auch in den Mitgliedern der Schule sitzt, noch fallen müssen. Und es wird erforscht werden müssen, wie man die Wege findet zu diesem seinem eigenen Eigensinn und Eigenwillen, die verhindern, richtig hinzuschauen auf dasjenige, was die Schule sein will. Denn mancher denkt heute noch nicht ernst genug über diese Schule. Und das muß allmählich geschehen. Und es ist gar nicht anders möglich, als daß nach und nach in der Schule nur diejenigen sind, die sie wirklich in allen Einzelheiten ernst nehmen.

Das fordert erstens die Sache selbst, und das fordert auf der anderen Seite der schwere Weg, den wir werden zu gehen haben den Widerständen und der Unterminierung gegenüber, die sich von allen Seiten mit jedem Tage mehr einstellen. Darauf achten auch die Mitglieder der Schule keineswegs schon in hinlänglich hohem Grade. Das alles, meine lieben Freunde, muß gebührend berücksichtigt werden.

Es wird ja dasjenige, was zunächst uns in dieser Schule vor das Seelenauge tritt, natürlich in der Hauptsache bestehen in dem Empfangen dessen, was aus dem Geiste heraus gegeben werden kann. Es wird aber auch gerade von den Mitgliedern der Schule in entsprechenden Mitteilungen gefordert werden müssen, daß sie mitgehen mit jenem schweren Wege, der gegenüber Hemmnissen und Unterminierungen zu gehen sein wird.

Ich habe mich über diese ganze Sache ja ausgesprochen in un­serem Mitteilungsblatte «Was in der Anthroposophischen Gesell­schaft vorgeht» und habe da genau unterschieden zwischen der allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und dieser Schule. Und es ist notwendig, daß dieser Unterschied mit aller Deutlich­keit von der Mitgliedschaft der Schule gefühlt wird und daß auch im Sinne dieses Unterschiedes gelebt wird, so daß die Schule wirk­lich dazu kommen kann, nur diejenigen Persönlichkeiten als ihre Mitglieder zu haben, die sich wirklich zu Repräsentanten der anthroposophischen Sache im Leben in allen Einzelheiten machen wollen. Ich spreche diese Sätze heute paradigmatisch aus, um eben auf den Ernst der Sache hinzuweisen.

Dasjenige, was gewissermaßen wie eine erste eherne Tafel über unserer Schule stehen soll, das möchte ich zuallererst nunmehr vor Ihre Herzen, vor Ihre Seelen bringen. Es wird sich darum handeln, daß wir uns wirklich ganz identifizieren mit demjenigen, was, ergründet aus dem Leben des Geistes heraus, innerhalb dieser Schule an unser Seelenohr und an unsere seelische Auffassung her­ankommt. (GA 270a, S. 21 f.)

 

 

Hier, in dieser ersten, die Hochschule quasi eröffnenden, Klassenstunde fällt ein Satz, den ich besonders herausheben möchte: „Es wird ja dasjenige, was zunächst uns in dieser Schule vor das Seelenauge tritt, natürlich in der Hauptsache bestehen in dem Empfangen dessen, was aus dem Geiste heraus gegeben werden kann.“ Und nun Frage ich Herrn Prokofieff, was er selbst, oder sonst jemand im Vorstandskollegium oder gar jemand aus dem Apparat dieser sog. Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, wie sie heute besteht, eingebracht haben, „was aus dem Geiste heraus gegeben worden ist“. Aus dem reinen Geiste? Ist es nicht geradezu verpönt in dem Verein Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, der diese Hochschule betreibt, über eigene Forschungen in der übersinnlichen Welt zu berichten? Und so frage ich Sie, Herr Prokofieff, was ist in Ihre Folianten, die inzwischen  viele 1000 Seite umfassen dürften  rein aus der eigenen Geistesforschung heraus geschöpft und nicht – oftmals noch aus dem Zusammenhang herausgerissen – aus dem Werk Rudolf Steiners entnommen worden?

 

Nun, dieses Kapitel ist überschrieben mit „Blick in die Welt“ und darin soll der Versuch angedeutet werden, anhand der heutigen kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Situation aufzuzeigen, wo sich Problemstellungen ergeben, die allein aus einem „aus dem Geiste heraus [sich] gegebenen“ Erkennen in ein gesundes Fahrwasser geführt werden können und müssen.

 

Wenn wir heutzutage den Fernseher oder das Radio einschalten oder eine Tageszeitung aufschlagen, so werden wir bombardiert mit den Begriffen „Klimakatastrophe“ oder „Schweine-, Vogel-, Ziegen- oder sonst einer Grippe in Verbindung mit der als unbedingt dagegen durchzuführenden Massenimpfung, dann die Banken- oder Finanzkrise und alles was dazugehört. Liest man dann vielleicht noch die eine oder andere „alternative“ Zeitschrift, so stößt man vielleicht auf die weltweit zu beobachtenden „Chemtrails“, den „Elelectrosmog oder gar die sog. Bewußtseinskontolle (Mindcontrol) diverser Geheimdienste in aller Welt.

 

Und wenn man daraufhin in den anthroposophisch orientierten Medien, zum Beispiel in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ nach Antworten auf diese brennenden Zeitfragen sucht, findet man kaum Relevantes. Und wie sieht es mit der Internetpräsentation der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach aus? Ein Blick am 1. Januar 2010 auf die Präsentation

 

http://www.dasgoetheanum.ch/

 

führte unter der Rubrik „Nachrichten/Aktuelles“ folgende Auswahl zutage:

 

 

Kunst und Kultur

11. November 2009

Aserbaidschan

CH: Culturescapes

Es ist ein bemerkenswertes Projekt des Niederländers Jurriaan Cooiman: die Kulturreihe Culturescapes, die noch bis zum 6. Dezember in Bern, Zürich, Uster, Winterthur, Genf, Basel...

 

Kunst und Kultur

11. November 2009

Aufgefallen

Opernsängerin Marion Ammann

Die tonangebende Zeitschrift ‹Opernwelt› bewertet in ihrem Jahrbuch ‹Oper 2009› die zurückliegende Spielzeit. 50 Kritiker waren gefragt, ihre Vorschläge für die besten...

 

Wirtschaft und Dreigliederung

11. November 2009

Dreimal ausgezeichnet

Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Der für seine Idee der Regionalwert-AG erst kürzlich ins weltweite Ashoka-Fördernetzwerk aufgenommene Gärtner und biologisch-dynamische Landwirt Christian Hiß...

 

Verschont und gesund

Naturmodeversandhaus Hess-Natur

Das Versandhaus Quelle steht in Deutschland und Österreich wirtschaftlich vor dem Aus. Als Teil der insolventen Arcandorgruppe ist Quelle eine Schwester des...

 

Medizin und Heilwesen

11. November 2009

Neue Produktlinie

Aus dem Hause Wala: Dr. Hauschka Med

Wer in den letzten Monaten nach Wala-Vita-Mundwasser fragte, erfuhr oft: «Zurzeit nicht lieferbar.» Nun lüftet sich das Geheimnis.

 

Landwirtschaft und Gentechnik

11. November 2009

Marktgespräch

Demeter-Marketingtagung

Demeter lud am 26./27. Oktober erstmals zur Marketingtagung nach Schwäbisch Gmünd.

 

Das ist alles, was am 1. Januar 2010 unter der Rubrik „Nachrichte/Aktuelles“ zu dem fast 2 Monate zurückliegenden Datum 11. November 2009 angeboten wurde.

Aus der von Herrn Prokofieff ach so gepriesenen Hochschule gab es offensichtlich überhaupt nichts Aktuelles zu berichten.

 

* * *

 

Betrachtet man die erwähnten Stichworte

 

Ø      Klimakatastrophe

Ø      Schweine-, Vogel-, Ziegen- oder welche auch immer Grippe in Verbindung mit der dagegen durchzuführenden Massenimpfung

Ø      Banken- oder Finanzkrise

Ø      Chemtrails

Ø      Elelectrosmog

Ø      Bewußtseinskontolle (Mindcontrol)

 

aus politischer bzw. wirtschaftspolitischer Sicht, so können wir einen Begriff erkennen, unter dem sich diese erwähnten Schlagworte zusammenführen lassen, nämlich demokratisch unkontrollierte finanzielle globale Machausübung. Auf sämtlichen genannten Gebieten hat weder in der Analyse noch bei Problemlösungsansätzen der Verein AAG irgend etwas Nennenswertes oder gar Herausragendendes anzubieten. Über die daraus sich daraus ergebenden Konsequenzen werden wir versuchen, in den kommenden Ausgaben Beiträge zu berichten. Hierzu ein Hinweis:

 

Von der „Sozialwissenschaftlichen Sektion“ der „Freien Hochschule für Geisteswissenschaft – Goetheanum“, geleitet vom Vorstandsmitglied der AAG, Paul Mackay, wurde ein „neugestalteter“ Rundbrief herausgegeben. In dem kürzlich erschienenen zweiten Ausgabe, Winter 2009, findet man, so Sektionsleiter Mackay einleitend, „Beiträge zu dem Gespräch über die Zeit-Erfordernisse und die Zukunft der Sektion für Sozialwissenschaften, das am 26. und 27 November am Goetheanum geführt wurde“. Wohlgemerkt, es handelt sich bei diesem Rundbrief um eine Publikation der naturwissenschaftlichen Sektion dieser sich noch immer mit Freier Hochschule für Geisteswissenschaft bezeichnenden Institution. Oder hat man sich im Goetheanum zu Dornach auf den herkömmlichen Begriff Geisteswissenschaft im universitären Sinne zurückgezogen?  Das wäre zumindest eine ehrliche Korrektur überkommender Überheblichkeit im Verein AAG.

 

Um die Relevanz dieser hypothetischen Möglichkeit zu hinterfragen, mag es gestattet sein anhand eines Beitrags aus diesem Rundbrief die Frage aufzuwerfen, ob  es denn begründet sein könnte, aus dieser Darstellung zumidest eine Spur dessen wahrzunehmen, was vom Begründer der Schule mit dieser ursprünglich bezweckt worden war.

Der Beitrag stammt von Ulrich Rösch,  einer Persönlichkeit, die ich vor Jahrzehnten kennenlernte, als einen Menschen, der in der Anthroposophie seinen Lebenszweck erkannt zu haben schien und der sich für diese Aufgabe mit all seiner verfügbaren Energie zur Verfügung zu stellen schien. Dann allerdings geschah es, daß er offensichtlich glaubte, in dieser damals noch von dem verstorbenen Vorsitzenden der AAG, Manfred Schmidt Brabant, geführten Sektion eine Wirkungsstätte finden würde, in der er dieser Aufgabe optimal gerecht werden könne. Führt man sich diesen Beitrag vor Augen, dann überkommen einen allerdings allerlei Zweifel daran, inwiefern er dieser von ihm gesetzten Aufgabe auch nur annähernd gerecht geworden ist.

 

Bereits der Titel seines Beitrags – „Friedensnobelpreis für
Barack Obama Obama  - ein Sozialkünstler?“ –
läßt erahnen, was zu erwarten ist.  Eingeleitet wird der Beitrag durch folgende redaktionelle Information: „In einem Artikel auf ˓Spiegel Online˒ stellte kürzlich der Amerikakorrespondent des ˓Spiegels˒, Gabor Steingart, eine interessante Verbindung zwischen Barack Obama und Joseph Beuys her. Beuys hätte seine Freude an der Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama gehabt, meint Steingart und zitiert auch Begriffe wie (Soziale Plastik und Erweiterter Kunstbegriff). Ulrich Rösch, Mitarbeiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum, kommentiert den Artikel.“

Na schauen wir mal, was der  Autor Rösch uns zu sagen hat:

Friedensbote im Dauerkrieg - so betitelt Gabor Steingart, Amerikakorrespondent des deutschen ˓Spiegels˒ einen Kommentar zur Auszeichnung Barack Obamas mit dem Friedensnobelpreis. Diese höchste Würdigung verkörpert wohl mehr die Hoffnungen der Menschen als eine Anerkennung bisher erfolgter Leistungen. Denn Obamas Ergebnisse weisen noch eine dürftige Bilanz auf. Drückt diese Bewunderung für Obama also eher die europäischen Wünsche und Sehnsüchte an «den am meisten überschätzten Politiker aller Zeiten» (Spiegel-TV) aus?

Vielleicht wichtiger als Steingarts Kommentierung ist aber seine wertschätzende Bezugnahme auf einen großen deutschen Künstler: «Joseph Beuys hätte seine Freude an dieser Entscheidung des Nobelpreiskomitees gehabt. Der 1986 verstorbene Künstler ist der Erfinder des <erweiterten Kunstbegriffs>, wonach nicht nur Maler und Bildhauer, sondern jedermann ein Künstler sein kann, auch ein Politiker.» Ob allerdings Beuys tatsächlich Obamas - wenn vielleicht auch moderne - Machtpolitik in eine Beziehung zur (Sozialen Skulptur) gebracht hätte, wage ich zu bezweifeln.

Im Grunde genommen wäre es angebracht, bereits nach diesen ersten beiden Absätzen die Untersuchung abzubrechen. Joseph Beuys dürfte sich wohl im Grabe empört aufbäumen, falls er mitbekäme, daß ein Geisteswissenschaftler im Sinne dieser von Rudolf Steiner begründeten Hochschule ihn in diese direkte Beziehung zu Mr. Change gesetzt habe und er würde vielleicht von ganzem Herzen sich auf die Seite eines Mannes schlagen, der seine Karriere einmal als Profifußballer in England begonnen hatte, dann Sportjournalist bei der BBC wurde, schließlich diese äußerlich betrachtet sehr erfolgreiche Karriere abrupt abbrach und – nachdem er durch eine offensichtlich recht harte Schulung gegangen war – heute ein begehrter Vortragsredner auf esoterischer Ebene ist. Gemeint ist David Icke, der einen mehrstündigen englischsprachigen Vortrag in Zürich im November letzten Jahres (mit deutschen Übersetzung) folgendermaßen einleitete:

 

Auf der ganzen Welt findet derzeit eine Revolution statt. Es geht um eine Revolution der Wahrnehmung. In Santa Fee vor 3, 4 Wochen da ging es mir gar nicht gut. Ich stand in meinem Hotelzimmer und bin ganz einfach in Ohnmacht gefallen. Dann bin ich wieder zu mir gekommen und habe mich gefragt, was ist denn jetzt passiert? Das einzige, woran ich mich erinnern konnte, waren die letzten Worte, die ich gehört hatte, bevor alles schwarz wurde. Irgend jemand im Fernsehen hatte gesagt, Barack Obama habe den Friedensnobelpreis bekommen. Das war das letzte, was ich gehört habe. …

 

Das geht doch nicht. Am Anfang der Präsidentschaft … bombardiert er Pakistanis, weil die angeblich eine Bedrohung für Amerika sind und schon bekommt er den Friedensnobelpreis. Nun, Henry Kissinger hat den für Kriegsverbrechen bekommen und Al Gore für Lügen über die angebliche globale Erwärmung. Ich weiß nicht, sind die in Norwegen eigentlich alle betrunken? Ich verstehe das nicht ganz. Friedensnobelpreis für das Kriegführen? Aber mit Obama kann man den Menschen ja alles plausibel verkaufen. (David Icke in seinem Vortrag:  „Human Race Get Off Your Knees“ - www.secret.tv)

Es folgt dann diese mehrstündige geradezu atemberaubende Analyse der weltpolitischen Situation des ehemaligen Fußballprofis, die alles in den Schatten stellte, was ich je von dieser Dornacher Institution hinsichtlich umfassender Zeitanalysen vernommen habe.

Und auch im weiteren Verlauf der Darstellung Ulli Röschs stieß ich auf keinen Satz, der nicht genausogut in einem beliebigen Organ der Mainstreammedien zu finden sein könnte.

Das allein wäre schon schlimm genug, doch das eigentlich Erschreckende bei dieser Sicht Röschs hat David Icke auf den Punkt gebracht, wenn er sagt – ich wiederhole diese drei Kernsätze:

Am Anfang der Präsidentschaft … bombardiert er Pakistanis, weil die angeblich eine Bedrohung für Amerika sind und schon bekommt er den Friedensnobelpreis. Nun, Henry Kissinger hat den für Kriegsverbrechen bekommen und Al Gore für Lügen über die angebliche globale Erwärmung. Ich weiß nicht, sind die in Norwegen eigentlich alle betrunken? Ich verstehe das nicht ganz. Friedensnobelpreis für das Kriegführen? Aber mit Obama kann man den Menschen ja alles plausibel verkaufen.

„Geisteswissenschaftler“ Rösch meint hingegen

Steingart beendet seinen Kommentar, der Preis verlange viel von Obama, aber auch von uns: «Erst wenn Politiker und Publikum sich zu einer Sicht der Dinge vereinen, entsteht das, was Joseph Beuys das ˓Gesamtkunstwerk˒ nannte. Der Aktionskünstler sagte oft: ˓Die 'Soziale Plastik' ist eine Kommunion˒». Dies erfordert aber eine Beteiligung der Bürger als Gestalter des kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Lebens. Wenn die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika Mitgestalter ihrer sozialen Verhältnisse werden und eine ˓Wärmeplastik˒ anstelle des Sozialkampfes, der Kälte zwischen den Menschen, entstehen würde, dann würde dem amerikanischen Volk als Ganzem der Friedensnobelpreis zustehen.

Wie ist es möglich, daß ein an und für sich sehr tief in der Anthroposophie geistig verankerter Mensch nicht den fundamentalen Unterschied wahrzunehmen vermag, der zwischen dem ebenfalls geistig in der Anthroposophie verankerten Künstler Joseph Beuys und dem Menschen zu unterscheiden vermag, der von der Drahtziehern der Globalisierung derzeit das Amt des Präsidenten der USA zu bedienen hat. Man könnte meinen, er habe völlig den Verstand verloren. Und wenn man weiterhin in Betracht zieht, daß Sektionsleiter und Quasivorsitzender der AAG, Paul Mackay diesen Beitrag in seinen Sektionsrundbrief aufgenommen hat, dann zeigt uns das, wie einträchtig Luzifer durch seinen gehorsamen Schüler Prokofieff und Ahriman durch den ebenfalls gehorsamen Gefolgsmann Mackay diese zentrale Institution eines sich gerne Weltgesellschaft nennenden Vereins AAG fest in der Hand hält.

 

Darin sehe ich die Botschaft, die uns dieser Exfußballprofi übermittelt hat. Und ich kann Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, von www.anthroposophie-online.de sehr empfehlen, diesen in 48 Teile aufgelösten Vortrag von David Icke sich anzuhören oder als (allerdings recht teure) DVD-Serie über secret.tv zu erwerben.

 

Wir werden auf seinen Vortrag auch in unserer Internetpräsenz ausführlich zu sprechen kommen.

Rudolf Saacke